
5. April 2025, 15:51 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten
Im Urlaub auf der Trauminsel Bali versuchte sich unser Autor kürzlich am Surfen – nur, um schon nach kurzer Zeit einsehen zu müssen, dass dieser elegante Wassersport wohl leider so überhaupt nichts für ihn ist. Dazwischen ging so ziemlich alles schief, was wohl hätte schief gehen können. Ein Erfahrungsbericht aus dem Paradies.
Ich bin ziemlich sicher, wenn ich mit irgend jemandem auf der Welt meinen Job tauschen könnte, wäre es ein Surfer. Deren „Arbeit“ besteht darin, rund um den Globus in fantastischen tropischen Paradiesen teils monströsen Wellen nachzujagen, um sie sodann todesmutig und gekonnt zu bezwingen. Unfairerweise sehen Menschen, die surfen, auch oft noch überdurchschnittlich gut aus, und starten mitunter, wie Jack Johnson, nebenbei weltweit gefeierte Karrieren als Musiker. Vielleicht war das eine Motivation für mich, mich bei einem kürzlichen Urlaub auf der Trauminsel Bali auch einmal als Surfer zu versuchen. Leider ging dabei so ziemlich alles schief, was wohl hätte schief gehen können.
Mein Traum begann, am kilometerlangen Strand der Beachtown Canggu, Form anzunehmen. Dort stürzen sich ob der günstigen Wellenverhältnisse jeden Tag unzählige Menschen jeden Erfahrungsgrades ins Wasser, um mehr oder weniger elegant die konstanten Wellen dort zu reiten. Eigentlich war es aber gar nicht meine Idee, sondern die meiner Freundin, die mir gestand, schon seit ihrer Kindheit träume sie davon, surfen zu lernen. Und wo, wenn nicht im Urlaub, traut man sich mal etwas Außergewöhnliches zu? Also sprach sie Moza an, einen kantigen, für mein Verständnis zum Glück nicht zu gut aussehenden Guide, der in seiner Surfschule wohl schon hunderte, wenn nicht tausende Anfänger aufs Wasser geschickt haben muss.
Der Inbegriff der Coolness

Und davon (also Surfschulen) gibt es am Strand von Canggu eine große Auswahl. Die Trainer und ihre Schüler hängen den ganzen Tag vor den kleinen hölzernen Hütten ab, in denen Bretter jeder Größe auf Neugierige warten. Lässige Menschen, Typen mit langen Haaren, viele Tattoos, der Inbegriff der Coolness für mich. Was für ein Leben, immer am Meer, und damit auch noch sein Geld verdienen. Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass ich mein auch ziemlich entspanntes Lebensmodell, egal in welchem Urlaub, ungewöhnlich oft in Frage stelle. Mal denke ich ernsthaft darüber nach, stattdessen lieber Schäfer in den Schweizer Alpen zu sein. Dann wieder träume ich davon, als Wanderleiter Gäste durch die peruanischen Anden zu führen. Und nun hatte die Begeisterung meiner Freundin auch in mir etwas geweckt, und ich sah mich schon als Meister im Surfen die Wellen abgleiten.
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Die Realität sah dann aber leider anders aus. Völlig anders, um genau zu sein. Canggu, Ortszeit 8.30 Uhr, der Himmel dramatisch wolkenverhangen, leichter, für Anfänger perfekter Wellengang. Meine Freundin zieht es förmlich zum Meer, das sie seit ihrer Kindheit liebt. Ich, nach einer schlaflosen Nacht aufgrund des Jetlags, eher bedröppelt hinterher. Und tatsächlich, Moza wartet schon und begrüßt meine Freundin herzlich. Als er mich sieht und begreift, dass ich quasi als Paketlösung mit dabei sein werde, ist er schon weniger begeistert. Vielleicht hatte sich der von der Nachbarinsel Java stammende Mann mit der markanten Narbe im Gesicht am Ende gar Chancen ausgerechnet?
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Unsicher wie ein Welpe
Wie auch immer, er ist mich dann schnell wieder los, delegiert mich einfach an einen deutlich jüngeren Kollegen ab. Der ist das frühe Aufstehen scheinbar ebenso wenig gewohnt wie ich, und macht eher einen lustlosen Eindruck. Moza überreicht uns dann wie ein Sakrament unsere Bretter und zeigt uns schon mal im Trockenen, wie man denn beim Surfen in der Theorie auf dem Wasser paddelt und aufsteht. Zumindest das klappt bei mir absolut hervorragend, ich wuchte mich problemlos in die Knie und reite am Strand in Gedanken schon einmal meine ersten Wellen ab.
Dann kommt die Stunde der Wahrheit, wir hieven unsere ziemlich schweren Bretter das kurze Stück Richtung Meer. Was mich mehr Kraft kostet, als ich mir in dem Moment eingestehen will. Erinnerungen kommen hoch, denn Canggu ist nicht mein erster Versuch, surfen zu lernen. Auf einer Reise nach Peru 2017 war ich schon mal eine Stunde auf dem ziemlich wilden Pazifik draußen gewesen. Schluckte viel Salzwasser, wollte nach der ersten Welle sofort wieder ans sichere Land zurück. Schaffte es am Ende immerhin, auf den Knien, unsicher wie ein Welpe, eine Welle zu nehmen. Das würde doch sicher heute anders werden, oder?
Elegant wie eine Fleischwurst

Nun, leider nein. Leider gar nicht. In meinem natürlich viel zu engen Neoprenanzug herausgeputzt wie eine attraktive Fleischwurst in der Auslage eines Metzgers, folge ich meinem jungen Guide in die ersten seichten Wellen. Der hat in diesem Moment nicht nur keine Lust auf mich oder surfen, sondern spricht auch nur sehr gebrochen Englisch. Mein Indonesisch reicht zu diesem Zeitpunkt, immerhin, gerade einmal für „Danke“ und „Guten Morgen“. „Get on your board“, „Auf’s Brett mit dir“, immerhin, das verstehe ich. Leider ist es gar nicht so leicht, der Anweisung Folge zu leisten, denn die Wellen spülen ununterbrochen über uns hinweg. Schon jetzt brennen meine Augen vom Salzwasser.
Dann das nächste Problem. Als ich dann endlich bäuchlings auf meinem Brett liege, komme ich kaum voran. Das Paddeln in den Wellen ist nämlich unfassbar anstrengend. Schon nach wenigen Minuten sind meine Arme völlig erschöpft, ringe ich nach Atem. Das habe ich mir, als passionierter Wanderer eigentlich mit einer ziemlich guten Kondition gesegnet, völlig anders vorgestellt. Rechts neben mir währenddessen ein Juchzer, als meine Freundin, noch auf den Knien, ihre erste Welle abreitet. Guide Moza feuert von hinten stolz an wie ein Papa, wenigstens einer von uns erwischt einen guten Beginn beim Surfen.
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Nicht für Anfänger geeignet

Dann bin auch ich endlich in der Zone, in der die Wellen vielversprechend genug für einen Ritt brechen. Das Problem ist nur, ich sehe sie nicht, denn ich muss natürlich mit meinem Brett Richtung Land blicken. Bevor ich also das erste Mal selbst surfen kann, werde ich zunächst mit einigen kräftigen Salven Salzwasser geduscht. Dann spüre ich einen leichten Schubser, mein Guide gibt mir den benötigten Schwung, um mich elegant in den kommenden Brecher zu werfen. Doch mit einem filmreifen Ritt wird es leider nichts, denn eben jener Brecher wirft mich in Sekundenschnelle einfach ab.
An dieser Stelle sollte ich Anfänger mit ebenso rosaroten Ambitionen wie mich vielleicht einmal warnen. Das Surfen am Strand von Canggu ist leider nicht ganz ungefährlich. Das liegt daran, dass überall in dem flachen Wasser ganze Bänke von scharfkantigen Steinen lauern, an denen ich mir jetzt bei meinem Sturz an mehreren Stellen die Füße aufschneide. Meiner Meinung nach ist es eigentlich ziemlich unverantwortlich, Neulinge in ein solches Wasser zu schicken. Aber die Wellen hier sind nun einmal hervorragend, und ein Guide verdient pro zweistündiger Lektion (sofern die Kundschaft überhaupt so lange durchhält) gut 20 Euro, auf Bali eine stolze Summe.
Vom Surf-Virus befallen
Beim Versuch, mich für die nächste Welle wieder auf das Brett zu hieven, passiert mir dann ein weiteres Missgeschick. Eine Welle wirft das Board so herum, dass ich mir an der Finne ziemlich übel den Finger aufschneide. „Nicht an der Finne anfassen“ dazu der lapidare Kommentar meines Guide, der wohl nur eine vollständige Amputation als Ausrede gelten lassen würde, sich vor dem Surfen zu drücken. Will ich ja gar nicht, es ist nur einfach überhaupt nicht so wie in meinen Tagträumen. Als ich das nächste Mal in der Wellenzone ankomme, bin ich so erschöpft, als hätte ich soeben ohne zusätzlichen Sauerstoff den Everest bestiegen. (Solche heroischen Alliterationen machen es mir zumindest leichter, meine vollständige Unfähigkeit zu übertünchen.)
Unterdessen höre ich aus Richtung meiner Freundin immer wieder begeisterten Jubel. Todesmutig und scheinbar völlig fit stürzt sie sich in Welle nach Welle, so als wäre das Surfen ein Virus, das nur darauf gewartet hätte, irgendwann in ihr auszubrechen. Und natürlich bin ich stolz, aber auch nicht unerheblich neidisch. Meine hehren Ambitionen sterben nämlich mitunter einen ziemlich kläglichen Tod. Schon bei der zweiten Welle, die ich erwische, fehlt mir die Kraft in den Armen, mich auch nur auf die Knie zu hieven. Im Stehen das Brett den Kamm runter reiten? Vielleicht in einem weiterem, sehr bunten Anfall von Tagträumerei. Doch die wird mich, zumindest was Surfen betrifft, in Zukunft wohl eher nicht mehr heimsuchen.
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Salzwasser in den Augen und in meinen zahlreichen Schnittwunden, liege ich irgendwann nur noch nach Atem ringend auf meinem Brett, und lasse mich wie ein Stück Treibholz einfach resigniert von den Wellen überspülen. Ich erwische dann tatsächlich auf den Knien noch eine dritte, und lasse mich von ihr bis zum Strand tragen. Dort spüre ich erst richtig meinen Ganzkörper-Muskelkater vom Surfen und sinke ermattet in den Sand. Irgendjemand, vielleicht ein Engel, bringt mir frisches Wasser, und ich trinke begierig, als wäre es das erste Mal in meinem Leben.
Irgendwann, in einem Zeitraum, in dem Universen entstehen und wieder verglühen, kommt dann meine Freundin mit Moza aus dem Wasser. Völlig aufgekratzt die beiden, lachend, sich gegenseitig abklatschend. Ich dagegen kann kaum mehr meinen Arm heben, um ihr ebenfalls ihr hochverdientes High Five zu erweisen. Und so kommt es, wie es kommen muss: Sie verabredet sich gleich für den nächsten Tag zu einer weiteren Lektion mit Moza. Und für mich findet sich am Ende dann sogar auch noch eine versöhnliche Verwendung. Ich darf mit ihrem Handy Fotos von ihr beim Surfen schießen. Und wer weiß, vielleicht versuche ich es ja dann in etwa acht Jahren auch noch ein drittes Mal.