29. April 2020, 15:49 Uhr | Lesezeit: 9 Minuten
In Nationalparks soll die Natur und ihre Vielfalt geschützt und zum größten Teil sich selbst überlassen werden. Der Mensch nimmt möglichst keinen oder nur sehr wenig Einfluss. Hier werden tote Bäume liegen gelassen, Tiere können sich frei entfalten, und die Umweltverschmutzung soll so gering wie möglich sein. Doch schützen die Parks nicht nur die Natur, sie dienen auch der Forschung, Bildung und Erholung. Die wichtigste Regel bei einem Besuch im Nationalpark: keine Spuren oder gar Müll hinterlassen.
In Deutschland gibt es 16 solcher geschützter Gebiete – TRAVELBOOK stellt sie vor und erklärt, welche Besonderheiten jeder dieser Nationalparks mit sich bringt und welche Tiere und Pflanzen dort beheimatet sind.
Inhaltsverzeichnis:
- Übersichtskarte aller Parks
- Bayerischer Wald
- Berchtesgaden
- Eifel
- Hainich
- Hamburgisches Wattenmeer
- Harz
- Hunsrück-Hochwald
- Jasmund
- Kellerwald-Edersee
- Müritz
- Niedersächsisches Wattenmeer
- Sächsische Schweiz
- Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
- Schwarzwald
- Unteres Odertal
- Vorpommersche Boddenlandschaft
Die Übersichtskarte mit allen Nationalparks in Deutschland
Bayerischer Wald (Bayern)
Wie der Name schon vermuten lässt, liegt der Bayerische Wald im Süden Deutschlands in Bayern. 1979 gegründet, ist er der älteste Nationalpark des Landes und bildet – zusammen mit dem tschechischen Nationalpark Böhmerwald – mit 24,217 Hektar die größte zusammenhängende Waldfläche Mitteleuropas. Eine Vielzahl an Tieren und Pflanzen sind um das Grundgebirge, das Böhmische Massiv, beheimatet: Mit etwas Glück können Naturfreunde Norwegische Wolfsspinnen, Auerhühner, Fischotter, Siebenschläfer oder sogar Luchse zu Gesicht bekommen.
Berchtesgaden (Bayern)
„Natur Natur sein lassen“ ist das Motto des Nationalpark Berchtesgaden, der 2018 seinen 40. Geburtstag feiert. In den Alpen gelegen zeichnen schneebedeckte Berge und tiefe Täler das Landschaftsbild des 210 Quadratkilometer großen bayerischen Parks. Der Alpensteinbock, Murmeltiere und das Alpenschneehuhn leben in dem Hochgebirge, in dem sich auch der bekannte Königssee befindet. Er ist nur einer der Gründe, warum es zahlreiche Besucher in den Nationalpark an der Grenze zu Österreich zieht.
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Eifel (Nordrhein-Westfalen)
Tiefe Laubwälder, weite Wiesen, kleine Bäche und große Seen prägen den Nationalpark Eifel südwestlich von Köln. Er beheimatet neben Erdkröten, Feuersalamandern, Bibern und Wildkatzen auch knapp 8200 Tier- und Pflanzenarten – 2000 von ihnen sind gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Der Nationalpark bietet auch die Möglichkeit, sich Rangern und Waldführern anzuschließen, die die Besonderheiten der Natur genauer erklären. Gegründet wurde der Nationalpark in Nordrhein-Westfalen erst 2004.
Hainich (Thüringen)
Der Ende 1997 gegründete Nationalpark Hainich liegt in Thüringen. Wo früher ein militärisches Sperrgebiet war, hat sich inzwischen ein Buchenurwald entwickelt. Das Außergewöhnliche daran: Die europäischen Wälder werden eigentlich von Fichten und Kiefern dominiert. Ein Wald voller Laubbäume in Europa ist etwas Besonderes, zumindest für die heutige Zeit. Vor vielen Jahrhunderten war die Rotbuche die vorherrschende Baumart in Mitteleuropa. Ohne Eingriffe des Menschen holt sich die Rotbuche hier ihren Lebensraum zurück.
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Holzkäfer, Wildkatzen, Gelbhalsmaus und eine Vielzahl an Fledermausarten leben in den Laubmisch- und Buchenwäldern des Hainich-Nationalparks, der seit 2011 zum Unesco-Weltkulturerbe zählt. Neben einem Besucherzentrum, Wanderwegen und einem Spielplatz gibt es auch einen Baumkronenpfad, der einen etwas anderen Blickwinkel auf die Natur ermöglicht.
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Hamburgisches Wattenmeer (Hamburg)
Salzwiesen, Seehundbänke und Wattwanderungen locken jedes Jahr zahlreiche Besucher in das Hamburgische Wattenmeer. 1990 wurde das Gebiet zum Nationalpark ernannt, seit 2011 zählt das Wattenmeer auch zum Unesco-Weltkulturerbe. Rund 2000 Arten leben in dem Gebiet, wobei vor allem Meeressäuger, Fische und Vögel den Nationalpark besiedeln. Besonders Letztere werden von Besuchern gern und viel beobachtet – immerhin gehört der Park zu den vogelreichsten Gebieten in Mitteleuropa. Rund 250 der 2000 hier lebenden Tier- und Pflanzenarten sind endemisch, was bedeutet, dass sie nur hier vorkommen.
Harz (Sachsen-Anhalt und Niedersachsen)
Der Nationalpark Harz ist besonders bei Wanderern beliebt: Zahlreiche Wege führen durch das 25.000 Hektar große Areal, das zu 97 Prozent von Wald bedeckt ist und darüber hinaus auch Klippen, Felsen, Bäche und Moore vorzuweisen hat. In sieben Waldgaststätten, die über den Nationalpark verteilt sind, kann man Pause machen. Für kleinere Besucher gibt es Attraktionen wie Natur-Erlebnispfade, Luchsfütterungen oder Wildtier-Beobachtungsstationen. Mehr als 7200 Tier- und Pflanzenarten beheimatet der Nationalpark. Den höchsten Punkt bildet der Brocken mit 1141 Metern.
Hunsrück-Hochwald (Rheinland-Pfalz und Saarland)
Seit 2015 trägt das 10.120 Hektar große Gebiet um das Mittelgebirge Hunsrück den Titel „Nationalpark“. Die Buchenwälder beherbergen zahlreiche Tiere wie Rehe, Fledermäuse, Vögel und Käfer. Und auch viele Katzen fühlen sich in dem Nationalpark zu Hause, denn hier findet man das größte Wildkatzenvorkommen ganz Europas.
Jasmund (Mecklenburg-Vorpommern)
Der Nationalpark Jasmund liegt auf einer der beliebtesten deutschen Inseln: Rügen. Die Kreidefelsen, die schon den bekannten Maler Caspar David Friedrich inspiriert haben, ziehen jedes Jahr viele Touristen und Naturliebhaber an. Neben dem Steilufer, den Blockstränden und Mooren gehören auch Wälder, in denen unter anderem Damhirsche, Schwarzwild und Seeadler leben, zu dem Naturschutzgebiet im Norden Deutschlands. Die Kreidelandschaft zeichnet sich vor allem durch ihre Kalktrockenrasen aus: Gräser und Kräuter mit ganz speziellen Anforderungen finden hier genug Kalk, Licht und trockene Wärme. Zunächst als Naturschutzgebiet ausgewiesen, wurde Jasmund 1990 zum Nationalpark.
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Kellerwald-Edersee (Hessen)
Auf 5738 Hektar erstreckt sich der einzige Nationalpark Hessens, der sich ähnlich wie der Nationalpark Hainich durch seine Buchenwälder auszeichnet. 10.000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten sind in dem Park zu Hause. Die verschiedensten Insekten, Säugetiere und Vögel leben hier zwischen den zahlreichen Bäumen, in den klaren Bächen und auf den Felsen. Besucher können durch den Buchenwald wandern, über Erlebnispfade spazieren, den Tag im Wildtier-Park verbringen oder auf dem Rad die Natur erkunden: E-Bikes kann man sich vor Ort leihen.
Müritz (Mecklenburg-Vorpommern)
In Mecklenburg-Vorpommern befindet sich mit dem Nationalpark Müritz der größte Waldnationalpark Deutschlands. Das Gebiet ist vor allem aufgrund der Seenlandschaft, die aus 107 Seen besteht und sich über 10.000 Quadratkilometer erstreckt, ein besonderes Highlight. Neben den Gewässern gehört auch eine stolze Zahl von 400 Mooren und zahlreichen Kiefernwäldern zu dem 1990 zum Nationalpark erklärten Naturgebiet.
Niedersächsisches Wattenmeer (Niedersachsen)
Nach zweifacher Erweiterung des Gebietes ist der 1986 gegründete Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer inzwischen 345.000 Hektar groß. 40 Prozent davon sind Watt, 5,5 Prozent Landfläche, der Rest besteht aus Wasser. 1993 wurde von der Unesco zum Biosphärenreservat erklärt. Seit 2009 zählt das Wattenmeer zum Unesco-Weltkulturerbe. Sandbänke, das von Prielen durchlaufene Watt, Strände, Salzwiesen und Dünen prägen die Küste.
Sächsische Schweiz (Sachsen)
Der Nationalpark Sächsische Schweiz umfasst auf 93,5 Quadratkilometern zwei räumlich getrennte Abschnitte des Elbsandsteingebirges – bizarre Felslandschaften und Bergmischwälder inklusive. Neben dem Elbebiber und dem Braunbrustigel leben auch Rehe, Fischotter und Mufflons in Deutschlands einzigem Felsen-Nationalpark. Neben Naturliebhabern und Wanderern zieht es vor allem auch Kletterer dahin.
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Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer (Schleswig-Holstein)
Zwei Millionen Menschen entscheiden sich jedes Jahr für einen Urlaub im Wattenmeer von Schleswig-Holstein, 13 Millionen kommen für Tagesausflüge. Der 1985 gegründete Nationalpark umfasst 4400 Quadratkilometer, wobei Inseln wie Sylt, Amrum oder Föhr nicht zu dem geschützten Gebiet gehören. Rund 3200 Tierarten leben im Wattenmeer, 250 gibt es nur in diesem Gebiet. Zu ihnen zählen viele Vögel und auch Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale.
Schwarzwald (Baden-Württemberg)
Auch der Schwarzwald zählt seit 2014 zu den Nationalparks Deutschlands. Er besteht aus zwei Teilgebieten zwischen Baden-Baden und Freudenstadt und ist 10.062 Hektar groß. Zu den hier heimischen Tieren zählen die Alpenspitzmaus, der Baummarder der Raufußkauz sowie Rotwild. Der Schwarzwald steht auf den ältesten Mittelgebirgsformationen Europas. Hier zeigen sich auch von der Eiszeit geformte Felsen, die rötlich-braun leuchten.
Unteres Odertal (Brandenburg)
Moore, Sümpfe, Gewässer, Wälder und vor allem Grünland prägen den Nationalpark Unteres Odertal, in dem 116 Säugetier-, Amphibien-, Reptilien- und Fischarten ihre Heimat haben. Das Untere Odertal dient als wichtiges Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet für Vögel. Auf Beobachtungstürmen können Besucher das 1995 zum Nationalpark erhobenen Gebiet von oben betrachten und auf Wanderwegen die Natur erkunden. Auch Kanutouren in den Gewässern sind möglich.
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Vorpommersche Boddenlandschaft (Mecklenburg-Vorpommern)
Zu dem Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft gehören neben Ostsee- und Boddengewässern auch einige Landflächen der Halbinsel Darß-Zingst und die Gewässer westlich von Rügen. Geprägt ist das Gebiet von Stränden, Dünen, Windwatten, Kliffs, Sandhaken und Wäldern. Dort befindet sich auch der größte Brackwasserlebensraum der Erde. Brackwasser ist eine Mischung aus Süßwasser der Flüsse und Salzwasser aus dem Meer. Mit etwas Glück können Besucher des Nationalparks Wildschweine, Kegelrobben oder Mufflons in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten.