28. Februar 2023, 11:56 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Bei den heute angelaufenen Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der Deutschen Bahn ist ein hartes Ringen zu erwarten. Die Gewerkschaft EVG hat bereits im Vorfeld klare Erwartungen für die erste Runde am Dienstag formuliert – und deutliche Warnstreik-Drohungen ausgesprochen. Sollte es so weit kommen, werden Bahnreisende mit massiven Einschränkungen rechnen müssen.
Für Bahnreisende und Pendler könnte dieses Frühjahr wegen eines drohenden Warnstreiks zu einer Geduldsprobe werden: Die Gewerkschaft EVG und die Deutsche Bahn sowie 50 weitere Branchenunternehmen ringen seit Dienstag (28. Februar) in Fulda um neue Tarifverträge. Schon vor Beginn haben sich schwierige Verhandlungen abgezeichnet. Die Gewerkschaft pocht angesichts von Inflation, Energiekrise und Personalmangel auf kräftige Lohnerhöhungen und zeigt sich kämpferisch. Von den Arbeitgebern erwartet sie ein Angebot bereits in der ersten Verhandlungsrunde – sonst könne es bald zu ersten Warnstreiks kommen.
Welche Forderungen stellt die EVG?
Mindestens 650 Euro will die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) für die rund 180.000 Beschäftigten durchsetzen. Die unteren Einkommensgruppen sollen überproportional gestärkt werden, daher hat sich die Gewerkschaft für eine Forderung mit Festbetrag entschieden. Bei den höheren Entgelten will die Gewerkschaft eigenen Angaben zufolge eine Steigerung um 12 Prozent erreichen. Für die Nachwuchskräfte fordert die EVG 325 Euro mehr. Die Laufzeit soll zwölf Monate betragen.
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Wie hat die Deutsche Bahn reagiert?
Die Bahn betonte zuletzt ebenfalls, dass sie mit sehr schwierigen Tarifgesprächen rechne. Die Gewerkschaft habe 57 Forderungen gestellt, die im Schnitt 25 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten bedeuteten, hieß es am vergangenen Freitag aus Kreisen des Konzerns. Neben mehr Geld seien auch zahlreiche strukturelle Themen aufgeworfen worden, etwa Höhergruppierungen und Neueingruppierungen oder eine Angleichung regionalisierter Tarifverträge auf das jeweils höchste Niveau. Insgesamt handele es sich um einen hochkomplexen Forderungskatalog.
Im Schnitt bedeute allein die Lohnforderung eine Steigerung von 18 Prozent, in einzelnen Bereichen um mehr als 30 Prozent, hieß es aus DB-Kreisen. „Wir setzen auf Verhandlungen, aber unsere Spielräume sind begrenzt“, sagte Fernverkehrsvorstand Michael Peterson dem „Tagesspiegel“ am Montag.
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Wann könnte es bei der Bahn zu Warnstreiks kommen?
Die EVG hat bereits zum Beschluss ihrer Tarifforderungen deutlich gemacht, dass sie Aktionen schon früh in Betracht zieht. Auch am Montag rief sie die Deutsche Bahn erneut zu einem Angebot und konkreten Gesprächen über ihre Forderungen bereits in der ersten Runde auf. „Das ist unsere Erwartungshaltung, dass wir in die Inhalte tatsächlich einsteigen mit einem Angebot“, sagte EVG-Verhandlungsführerin Cosima Ingenschay in einer Online-Pressekonferenz. „Wenn das nicht passiert, dann gucken wir uns an, wie das bei den anderen Unternehmen aussieht, und dann werden wir einen Strich drunter setzen und eben entscheiden, wie wir die Lage einschätzen, ob das schon einen Warnstreik zum Beispiel notwendig macht oder nicht“, sagte Ingenschay.
Mit Material von dpa