18. März 2021, 10:34 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Wer südlich von Córdoba über die argentinische Pampa fliegt, hat vielleicht das Glück, sie in der parzellierten Landschaft zu entdecken: eine riesige, aus Bäumen geformte Gitarre, die sich auf einem der perfekt rechteckigen Felder erstreckt. Die Geschichte ihrer Entstehung ist tragisch und schön zugleich.
Wer mit den Satellitenaufnahmen von Google Maps um die Welt reist, entdeckt so manchen kuriosen Ort auf unserer Erde. Einer davon ist die sogenannte Nazca Guitar, ein mehr als einen Kilometer langes Kunstwerk in Form einer Gitarre, das komplett aus Bäumen besteht.
Zu finden ist die Nazca Guitar im Zentrum von Argentinien, etwa 300 Kilometer südlich der Stadt Córdoba. Für Piloten ist es jedes Mal ein Erlebnis, darüber hinwegzufliegen. „Es ist erstaunlich, ein so sorgfältig geplantes Design zu sehen, so weit unten“, sagt Gabriel Pindek, der für die argentinische Regionalfluggesellschaft Austral Líneas Aéreas fliegt, der Zeitung „La Nacion“. Er habe noch nie etwas Vergleichbares gesehen.
Eine Liebesgeschichte mit tragischem Ende
Hinter dem Kunstwerk aus Bäumen verbirgt sich die Liebesgeschichte eines argentinischen Bauers namens Pedro Martín Ureta und seiner Frau Graciela, die sehr jung heirateten. Kurz nach ihrer Hochzeit hatte Graciela nach einem Flug über die monotone, von Feldern durchgezogene Pampa die Idee, dass man aus der eigenen Farm doch etwas viel Schöneres machen könne. Man müsse sie von einer Gitarre umgeben, die dann jeder von oben sehen könnte. Denn Graciela liebte Gitarren.
Ihr Mann war nicht abgeneigt, doch für ein solches Vorhaben würde man viel Zeit benötigen. Er vertröstete Graciela mit der Umsetzung auf einen späteren Zeitpunkt. Dass Graciela allerdings nicht mehr viel Zeit haben würde, ahnte damals niemals…
Im Jahr 1977, im Alter von gerade mal 25 Jahren und mit dem fünften Kind schwanger, starb Graciela ganz plötzlich an einer Hirnblutung. Pedro Martín Ureta litt sehr unter ihrem Tod, er hatte seine Frau regelrecht angebetet, schreibt „La Nacion“ unter Berufung auf die Aussage einer der Söhne des Paares.
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Eine Gitarre aus Bäumen für Graciela
Ein paar Jahre nach dem Tod seiner Graciela beschloss Ureta, als Andenken an sie ihren Wunsch zu erfüllen und ihr eine Gitarre aus Pflanzen zu widmen. Die Landschaftsgärtner, die er beauftragen wollte, lehnten aber ab – zu schwierig sei das Vorhaben. Also machte Ureta sich selbst daran, einen Wald in Form einer Gitarre zu erschaffen, die ganze Familie half ihm dabei. Tausende Bäumchen pflanzten sie, zunächst ohne Erfolg, denn immer wieder griffen Schädlinge die jungen Pflanzen an, und auch die Trockenheit und der Wind in der Region setzte ihnen zu. Beinahe hätte Ureta aufgegeben, doch dann fasste er neuen Mut, legte Altmetalle und Schutzhüllen um die empfindlichen Jungpflanzen.
Und dann begannen die Bäume zu wachsen. 7000 an der Zahl, und sie stehen heute noch. Der größte Teil der Gitarre, wie der Körper und das Schallloch in Form eines Sterns, besteht aus Zypressen. Für die Saiten hat der Bauer sechs Reihen mit Eukalyptusbäumen bepflanzt, deren bläulicher Farbton einen Kontrast zum Rest bildet.
Wie die argentinische Nachrichtenseite infocampo.com berichtet, ist Ureta im vergangenen Jahr im Alter von 79 Jahren verstorben. Aus der Luft hat der Argentinier sein eigenes Kunstwerk selbst übrigens nie gesehen, nur auf Fotos, denn er hatte Angst vorm Fliegen. Er hoffte aber zeitlebens, dass seine geliebte Graciela das riesige Instrument vom Himmel aus sehen kann. Nun können sie es hoffentlich gemeinsam.